085 – Hochwassereinsatz

085_-_betrieb_sandsackfuellplatz_20130605_1806260925Stressige Stunden hinterm Deich

BIBLIS. “Der Deich ist nicht gebrochen”. Die gute Nachricht, die Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller am Samstagnachmittag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz verkündete, hatte am gestrigen Sonntag immer noch Bestand. Auch wenn die Weschnitz wegen des starken Regens in den vergangenen Tagen derzeit auf Tuchfühlung mit der Oberkante ihrer Deiche geht, so ist sie zumindest bis gestern Abend brav im Bett geblieben. Gleichwohl löste das Hochwasser einen Großeinsatz der Feuerwehr aus, wie es ihn im Kreis Bergstraße so noch nicht gegeben hat.

Mehr als 650 Einsatzkräfte zahlreicher Feuerwehren aus der näheren und weiteren Region, von THW, DRK und DLRG stapelten bis in die Nacht zum Sonntag mehr als 50 000 Sandsäcke entlang der Baustelle am Bibliser Weschnitz-Damm. 500 Tonnen Sand wurden so binnen 36 Stunden verarbeitet. In der Nähe des Kärchersees hat die mit der Sanierung beauftragte Firma den Weschnitz-Deich derzeit auf eine Länge von rund 650 Metern etwa 1,20 Meter abgetragen. Und genau das ist das Problem. Ansonsten wäre das Hochwasser kein Problem für das sonst so ruhige und flache Gewässer.

Zehn Tonne pro Quadratmeter

Gestern stabilisierte die Deichbaufirma den Damm mit Widerlagern hinter den Sandsäcken. Damit soll der Wall dem gewaltigen Druck standhalten, der wohl noch in den kommenden Tagen trotz Wetterbesserung gegen die aufgeschütteten Erdmassen drückt. “Zehn Tonnen auf den Quadratmeter”, beziffert Müller den Druck, der auf dem Deich derzeit lastet und die massive Verstärkung erfordert.

Alles hatte am Freitagnachmittag um 15 Uhr mit einer Baubesprechung begonnen, wie Müller erzählte. Das Unternehmen, das derzeit den Deich bei Biblis auf Vordermann bringt, hatte zur Unterredung gebeten: “Wir bräuchten ein paar Sandsäcke”, habe es geheißen. Aus den paar Sandsäcken wurden in einer ersten Anforderung 15 000 Stück. Was sofort die Maschinerie des gesamten Bergsträßer Katastrophenschutzes – und darüber hinaus – in Gang setzte. Die Lampertheimer Feuerwehr, die über das technische Gerät zum Sandsack-Füllen verfügt, wurde komplett ins technische Zentrum beordert. Ihre Kapazität: 1000 Säcke pro Stunde. Als schon bald klar wurde, dass dies nicht reichen würde, orderte die Einsatzleitung eine zweite Füllanlage aus Groß-Gerau. Ergänzt durch diverse kleinere Geräte, schraubte die Feuerwehr das Volumen auf 4000 Säcke pro Stunde hoch.

Damit die Säcke auch an Ort und Stelle kamen, schufteten die Einsatzkräfte bis in die Nacht zum Sonntag in Vier-Stunden-Schichten. Sie bekamen auch Hilfe von den Bibliser Landwirten mit deren schwerem Gerät, das die Sandsäcke über die schlammigen Wege an Ort und Stelle karrte.

Spannend bleibt es gleichwohl bis zum heutigen Abend, wenn für den Rheinpegel bei Worms eine Höhe von über sieben Meter angekündigt ist. Diese Marke ruft üblicherweise die Deichwachen auf den Plan, was für zusätzliche Beschäftigung seit Samstagabend sorgt. Deshalb sind von der Bibliser Feuerwehr nun 30 Kameraden im Einsatz und prüfen, ob der Damm dicht hält. Die Wehren aus Bürstadt und Lampertheim schauen entlang der Rheindämme nach dem Rechten. Gestern Mittag um 13 Uhr zeigte der Pegel bei Worms 6,12 Meter an – mit steigender Tendenz.

Weil die Weschnitz bei diesem Pegel nicht mehr in den Rhein abfließen kann, staut sich das Wasser bis nach Biblis zurück. “Wir werden die 80 Zentimeter brauchen, die wir mit den Sandsäcken zusätzlich aufgebaut haben”, prophezeite Wolfgang Müller noch am Samstagnachmittag.

Ein wenig Entlastung kam nach Auskunft von Wolfgang Müller gestern aus Lorsch, wo der Polder geöffnet wurde und sich das Weschnitz-Wasser auf die Felder ergießen konnte. Mit Erleichterung nahmen die Einsatzkräfte auch die Nachricht zur Kenntnis, dass vom Neckar her gestern schon fallende Pegel gemeldet wurden. Und wer packt nach der Flut eigentlich die Sandsäcke wieder weg? “Wir machen’s nicht”, sagt Müller. Da müsse die Deichbaufirma ran.

Unterdessen hat die Gemeinde Biblis ein Infotelefon eingerichtet, bei dem sich die Bürger rund um die Uhr über den neuesten Stand in Sachen Hochwasser informieren kann.

© Südhessen Morgen, Montag, 03.06.2013

 Bilder: RMH-Fototeam / Feuerwehr Lampertheim

Einsatznummer: 085
Datum 31.05.2012
Uhrzeit: 15:20 Uhr
Einsatzstelle: Biblis, Weschnitzdamm
Einsatzdauer: 48 h
Stichwort: H3 – Hochwassereinsatz
Ausgerückte Fahrzeuge: KdowELW 1MTF 1MTF 2MTF 3WLF 1WLF 2,
Weitere Anwesende: Bauhof Notdienst

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