„Keinerlei Anhaltspunkte“

HLA_2510_Brandeinsatz_14MATTHIAS SCHIMPF Kreisbeigeordneter spricht über den Brand in der Gaußstraße

LAMPERTHEIM – Die Spurensuche nach dem Brand in der Gaußstraße ist auch am Dienstag noch nicht zu Ende. Wir sprachen mit Kreisbeigeordnetem Matthias Schimpf (Grüne), der in der Nacht zum Montag vor Ort war. Schimpf stellt eine schnelle Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Unterkunft in Aussicht und bleibt bei seiner Einschätzung, dass kein fremdenfeindlicher Hintergrund vorliege.

Herr Schimpf, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den Anruf aus Lampertheim bekommen haben?

Man denkt als Erstes an mögliche Brandursachen und dass hoffentlich keine Menschen, also weder Bewohner noch Einsatzkräfte, zu Schaden gekommen sind. Dann beschäftigt man sich schon mit dem „Plan B“ zur Unterbringung der Bewohner für den Fall, dass die Liegenschaft nicht nutzbar ist.

Aktuell ist noch die Spurensuche aus Darmstadt vor Ort. Wann denken Sie, dass die Räumlichkeiten wieder frei zugänglich sein werden?

Die Bewohner können heute (Dienstag, Anm. d. Red.) wieder von der Notunterkunft Viernheim zurück in die Unterkunft. Die Räumlichkeiten, in denen der Brand ausgebrochen ist, gehören ja nicht zur Flüchtlingsunterkunft, mithin waren diese für uns auch nie zugänglich.

Einige Beobachter wirken derzeit irritiert: Das Polizeipräsidium Südhessen sagt, es werde weiter in alle Richtungen ermittelt, wohingegen das Landratsamt einen fremdenfeindlichen Hintergrund ausschließt. Das klingt paradox, einige Kritiker könnten denken, Sie nähmen Teile des Ermittlungsergebnisses vorweg.

Es ist doch selbstverständlich, dass die zuständigen Polizeibehörden in alle Richtungen ermitteln müssen, dennoch sehen wir im Gesamtbild der Verhältnisse und des aktuellen Informationsstandes keinerlei Anhaltspunkte für einen fremdenfeindlichen Hintergrund und deswegen ist unsere Einschätzung, dass wir einen solchen Hintergrund ausschließen. Die Unterkunft in der Gaußstraße ist auch in der Vergangenheit nicht negativ in Erscheinung getreten.

Uns sind kaum Fälle bekannt, in denen Einbrecher zugleich Brandstiftung begehen. Dass die Unterkunft bislang unauffällig war, ist zwar richtig: Aber es wird niemand eine Brandstiftung im Vorfeld ankündigen, sofern es denn eine war. Wir sprechen noch im Konkunktiv.

Einbrecher legen durchaus Feuer oder öffnen Wasserhähne zur Überflutung der Räumlichkeiten, um Spuren zu vernichten, insoweit nicht ungewöhnlich. Natürlich kündigt niemand eine Brandstiftung an, aber hier sprechen die Gesamtumstände gegen einen gezielten Schlag gegen die Unterkunft.

Der hr hat am Montag in einem Beitrag eine andere Variante (ebenfalls im Konjunktiv) ins Spiel gebracht: Flüchtlinge, die auf dem Willkommensfest waren, könnten auf die Idee gekommen sein, in den Büroräumen „weiterzufeiern“. Ist das realistisch oder absurd?

Es gibt derzeit sehr viele Spekulationen, insoweit bleibt abzuwarten, was an Spuren in den aufgebrochenen Büroräumen gesichert werden konnte, dann wird man weitersehen.

Innenminister Peter Beuth war sehr kurzfristig am Montagmorgen in Lampertheim. Warum? Worüber haben Sie mit ihm gesprochen und welchen Eindruck hatte er?

Es gibt natürlich eine erhöhte Sensitivität, wenn es um Vorkommnisse in Flüchtlingsunterkünften geht. Unabhängig von den Differenzen über die Finanzierung der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung, welche wir mit dem Land Hessen haben, finde ich es gut und richtig, dass sich Peter Beuth unaufgeregt und sachlich orientiert aktuell ein Bild von der Situation vor Ort verschafft hat.

Er wurde von den Kollegen vor Ort über die Geschehnisse in der Nacht informiert und von mir über die Unterkunft und die von uns veranlassten Maßnahmen. Ich denke, dass er einerseits erleichtert war, dass es keine Personenschäden gegeben hat, und andererseits auch sich überzeugen konnte, dass die Einsatzkräfte und Verwaltung vor Ort sehr gut und zeitnah gehandelt haben.

Das Gespräch führte André Heuwinkel.

Text: Lampertheimer Zeitung

Bilder: RMH Fototeam

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