„Disziplin“ damals wie heute

JF Hofheim_ca.1982

Von Gabriele Lameli-Hornef

JUGENDFEUERWEHR 50 Jahre am Puls der Zeit / technisches Wissen und spannende Freizeitaktivitäten

„Bei der Jugendfeuerwehr ist immer was los“ – mit diesem Slogan hat diese Zeitung schon mehrmals die Aktivitäten der Hofheimer Nachwuchskräfte treffend beschrieben: Seit nunmehr einem halben Jahrhundert besteht diese agile Jugendabteilung unter dem Dach der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr (FFW). Über die Jahrzehnte hinweg haben sich stets engagierte Wehrleute um den Nachwuchs gekümmert, als Ausbilder in feuerwehrtechnischen Belangen sowie als Betreuer bei Aktivitäten in und außerhalb des Stützpunktes in der Backhausstraße 53. Was damals mit einer reinen „Männertruppe“ begonnen hat, bildet heute auch für weibliche Aktive eine Möglichkeit, sich ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und nach entsprechenden Schulungen kompetente Hilfe im Notfall zu leisten.

Blicken wir zurück in das Gründungsjahr 1966: Der amtierende Wehrführer Philipp Hinz startete eine Werbeaktion mit dem Ziel, Hofheimer Jugendliche für die Mitwirkung bei der Feuerwehr zu motivieren. Zusammen mit Rudi Potuschek übernahm er die theoretische und die praktische Ausbildung der seinerzeit 14 Kameraden im 1950 erbauten Spritzenhaus, das am Kerbeplatz an der Gartenstraße/Backhausstraße die Gerätschaften der Feuerwehr wie Fahrzeuge, Schläuche, Werkzeuge für technische Hilfeleistungen und vieles mehr beherbergte.

Einen Gruppenraum extra für die Jugend – so wie heute im 1982 eingeweihten Feuerwehrgerätehaus an gleicher Stelle – gab es noch nicht, in der Fahrzeughalle befand sich ein Raum für alle Feuerwehrabteilungen, und die Gruppenstunden wurden bei gutem Wetter auch im Freien abgehalten. In lockerer Weise lernen die jungen Leute im Alter von 10 bis 17 Jahren, wie Löschgeräte funktionieren, welche mechanischen oder technischen Utensilien wann und wie im Brandfall oder zu anderen Hilfeleistungen zum Einsatz kommen und welche Schutzkleidung ein Feuerwehrmann bei verschiedenen Anforderungen anlegt. Die Vermittlung von Kenntnissen auf diesem Sektor dient dazu, den Jugendlichen ein Fundament zu geben, um später einmal entsprechend vorgebildet in die FFW-Einsatzabteilung eintreten zu können.

Aber nicht nur „Drill“ steht bei den wöchentlichen Gruppenstunden auf dem Programm, auch Spaß und Spiel mit dem Ziel der Gemeinschaftspflege prägen die Zusammenkünfte der Jugendlichen. In den Anfangsjahren führte die Jugendwehr zu den internen Weihnachtsfeiern der Feuerwehr kleine Theaterstücke auf, nahm schon damals an Kreiszeltlagern und überörtlichen Winterwanderungen teil und ist bis in die Gegenwart mit Eifer dabei, wenn es um sportliche Vergleiche im Fußballspiel oder bei den abwechslungsreichen Bezirksolympiaden geht.

Die Prüfungen zur Leistungsspange innerhalb der Jugendfeuerwehren im Löschbezirk IV erfordern Konzentration, feuerwehrtechnisches Wissen und manuelle Geschicklichkeit, wobei nicht nur das „Schlauchausrollen“ gefragt ist. Das Ziel „Leistungsspange“ haben bereits mehrere Generationen von Hofheimer Jugendkameraden erreicht und sicher werden noch viele junge Blauröcke hier aktiv werden. 1984 stellten die Hofheimer Jugendwehrler ihren Kenntnisstand während einer Großübung auf dem Anwesen von Engelbert Litters unter Beweis. Bei der Bezirksolympiade 1994 in Heppenheim erreichten neun FFW-Kameraden den ersten Platz, 1995 ging es zum Zeltlager in die französische Partnergemeinde Dieulouard, die anschließend noch mehrmals besucht wurde. Zu der dortigen Feuerwehr „Sapeur pompies“ besteht nach wie vor ein freundschaftlicher Kontakt.

Darüber hinaus ist die Mithilfe der Jugend innerhalb der Feuerwehr zum „Tag der offenen Tür“ und dem dreitägigen Kerbefest in Hofheim für die Erwachsenen eine hilfreiche Unterstützung, und die „Großen“ sind seit bald 40 Jahren als tatkräftige Helfer bei der alljährlichen Christbaum-Einsammlung im Januar dabei.

Erhard Elsäßer gehört zu den „Männern der ersten Stunde“ der Hofheimer Jugendfeuerwehr – er darf ohne Frage als ein Vorbild für eine kontinuierliche Fortbildung bei der Feuerwehr gelten: Seit seinem 13. Lebensjahr hat er sich mit Begeisterung und Ausdauer der Feuerwehr verschrieben, später zahlreiche Lehrgänge zur Fortbildung absolviert und den Dienstgrad Oberbrandmeister erreicht. 1985 wurde er zum Wehrführer gewählt und übte dieses Amt bis April 1997 aus, danach blieb er als Einsatzkraft bis heute stets präsent – unsere Zeitung fragte den 63-Jährigen nach seinen Erinnerungen aus der Anfangszeit der Jugendwehr: Herrschte bei der Jugendfeuerwehr in den Gruppenstunden ein strenges Regiment, was Ordnung und persönliche Disziplin anbetrifft?

Elsäßer: „Wenn du bei der Feuerwehr bist, dann gilt das Prinzip ‚Disziplin‘ damals wie heute: wenn die Gruppenstunde beginnt, dann kommst du auch pünktlich und beachtest die Regeln. Die praxisbezogenen Unterweisungen wurden im Laufe der Jahre stets den technischen Fortschritten angepasst. Was allerdings heute wesentlich komfortabler ist, das ist die allgemeine Ausrüstung zu den Zeltlager-Aufenthalten. Wir schliefen noch auf Stroh auf dem Boden und mussten schon improvisieren, wenn wir im Sommer unsere Getränke nicht lauwarm haben wollten. Heute haben die jungen Kameraden Luftmatratzen und Feldbetten, Kühlschränke und alle möglichen Hilfsmittel beim Campen. Aber gerade die einfachen Verhältnisse spornen an, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, und ich denke gerne an die schönen Aufenthalte zurück, die ich mit den Jugendwehrkameraden in Oberstdorf und in Taunusstein verbracht habe.“

 

Text & Bild: Lampertheimer Zeitung

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