Feuerwehr: Ehrenamt bald am Limit

2017 50 Jahre JFWLAMPERTHEIM.Der Stolz auf seine Mannschaft ist Klaus Reiber anzumerken. Der Stadtbrandinspektor ist froh, dass er auf so viele Ehrenamtliche bei der Freiwilligen Feuerwehr in Lampertheim-Mitte sowie Hofheim und Hüttenfeld zählen kann. Und er weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Denn sich bei der Feuerwehr zu engagieren, ist ein Hobby, das jedem Einzelnen viel abverlangt.

Die Schlagkraft seiner Wehr sieht Reiber allerdings in Gefahr: Es sei nur eine Frage der Zeit, wie lange die Feuerwehr-Aufgaben in Lampertheim allein von Ehrenamtlichen übernommen werden könnten. Er weiß, dass in anderen Kommunen vergleichbarer Größenordnung längst mit einigen Hauptamtlichen dafür gesorgt ist, dass die Feuerwache besetzt ist und ein erster Trupp umgehend losgeschickt werden kann. Das werde wohl früher oder später auch in Lampertheim so kommen. „Wir werden das irgendwann nicht mehr allein mit Ehrenamtlichen machen können, weil auch immer mehr Aufgaben bei der Feuerwehr dazu kommen“, sagt Reiber im Gespräch mit dieser Zeitung. Wann das so eintreffen könnte, ist laut Reiber aber noch völlig offen.

Viel zu lernen

Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr müssen eine große Lernbereitschaft mitbringen, sich viel technisches Wissen aneignen und es auf aktuellem Stand halten, sich um ihre körperliche Fitness kümmern, schwierige Situationen, in denen es auch um Leben und Tod gehen kann, meistern und vor allem eins: ein Leben auf Abruf führen. Denn wenn der Notruf 112 in der Rettungsleitstelle und der Alarm beim jeweiligen Feuerwehrmann oder bei der Feuerwehrfrau eingeht, gilt: Alles stehen und liegen lassen – im Dienste für den Nächsten, der sich in Gefahr befindet.

Wenn die Feuerwehr Lampertheim-Mitte alarmiert wird, dann könnte Reiber – je nach Erfordernis – maximal 85 Einsatzkräfte in Bewegung setzen. Bei einem Einsatz tagsüber, wenn viele der Freiwilligen ihrem Beruf nachgehen, können laut Reiber etwa ein Viertel bis ein Drittel davon auch tatsächlich schnell genug zur Wache eilen, um auszurücken. In den Abend- und Nachtstunden seien meist etwa zwei Drittel der Kräfte verfügbar. Damit ist die Lampertheimer Wehr gut einsatzfähig. Eine erste arbeitsfähige Einheit mit sechs Kräften sollte im Regelfall zehn Minuten nach Alarmierung am Einsatzort eintreffen und wirksame Hilfe einleiten. Dies gelingt laut Reiber in über 90 Prozent der Fälle. Je nach Art des Einsatzes rücken weitere Kräfte aus, so dass oft zwischen 20 und 30 Feuerwehrleute vor Ort sind.

Noch kann der Stadtbrandinspektor sich über eine große Zahl Ehrenamtlicher und eine gute Jugendarbeit freuen und darüber, dass regelmäßig junge Leute aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung wechseln. Das sei vor allem ein Verdienst des Jugendwarts Sebastian Herweh und seines großen Helferkreises. „Unsere Jugendarbeit kann ich mir nicht besser vorstellen“, lobt Reiber, der viele Einblicke auch in andere Feuerwehren hat. Es sei auch richtig gewesen, 2007 die Kinderfeuerwehr einzurichten. Denn es sei entscheidend, Kinder bereits im Grundschulalter für die Feuerwehr zu begeistern – ehe sie sich ein anderes Hobby suchen.

Denn das wird im Gespräch mit Reiber klar: Feuerwehr ist keine Freizeitbeschäftigung wie jede andere. Wer sich hier engagiert, bringt sich voll ein und braucht einen langen Atem. Denn bis zum ersten Einsatz ist viel Ausbildung nötig. Wer nicht über die Jugendfeuerwehr einsteige und hier Stück für Stück aufgebaut werde, braucht laut Reiber mindestens zwei Jahre, bis er voll eingesetzt werden kann.

Vollen Einsatz sieht er bei den meisten seiner Mitglieder. Viele verbringen einen Großteil ihrer Freizeit in der Wache, schauen vor oder nach ihrer Schichtarbeit vorbei, kommen pflichtbewusst zu den wöchentlichen Übungsstunden und sind auch samstags da, um Fahrzeuge und Gerätschaften, Ausrüstung und Kleidung zu warten. „Da wir eine Freiwillige Feuerwehr sind, haben unsere Leute unterschiedliche Berufe, deren Fachkenntnisse und Erfahrungen sie bei uns einbringen“, erklärt Reiber. Er selbst sei als Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik für die Elektrik zuständig. Andere brächten beispielsweise ihr Wissen als Schlosser oder Schornsteinfeger mit. So könne eine große Bandbreite an verschiedenen Aufgaben und Zuständigkeiten gut verteilt werden. „Wir müssen auch dran bleiben, weil sich gerade im technischen Bereich permanent etwas verändert oder neue Vorschriften herausgegeben werden“, so der Stadtbrandinspektor.

Der großen Einsatz- und Leistungsbereitschaft seiner Mannschaft, zu der auch sechs Frauen gehören, ist sich Reiber bewusst. Er macht aber auch deutlich, dass die sich alle ehrenamtlich engagieren und dafür „nichts kriegen“ – auch wenn sie manchmal selbst viel riskieren. Daher wünscht er sich für seine Leute mehr Anerkennung, durchaus auch materieller Art.

Neuer Hallenanbau in Planung

Und noch etwas steht auf dem Wunschzettel des Stadtbrandinspektors, der gar nicht so umfangreich ist, wie man vielleicht denken könnte. Denn vieles hinsichtlich Ausstattung und Gerätschaften ist gesetzlich vorgegeben, die Feuerwehrgerätehäuser in Hofheim und Hüttenfeld wurden in den vergangenen Jahren erneuert. Was aber in Mitte dringend gebraucht würde, sei ein Hallenanbau für Fahrzeuge und Container, die momentan im Freien stehen. Die soll 2019 errichtet werden, so sieht es der städtische Haushaltsplan vor. Wenn das gelingt, hat Klaus Reiber einen weiteren Grund, stolz zu sein – auf sich und den guten Zustand „seiner“ Feuerwehr.

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