„Für alle denkbaren Lagen gerüstet“

KLAUS REIBER Stadtbrandinspektor über Feuerwehr-Nachwuchs und die Stärke der Einsatzabteilung

LAMPERTHEIM – Klaus Reiber ist als Stadtbrandinspektor Chef aller Feuerwehrleute in Lampertheim. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert er die personelle Situation der Wehren und nimmt Stellung zur Einsatzfähigkeit.

Herr Reiber, vielerorts gibt es verbale und körperliche Angriffe auf Rettungskräfte. Gab es das in Lampertheim auch schon?

Es gab mal ein Gegröle aus einer Kneipe heraus. Aber ansonsten nichts, keine Anfeindungen. Vielleicht hat man hier noch Respekt vor Rettungskräften. Das war auch ein Thema auf der jüngsten Führungskräfte-Veranstaltung der Bergsträßer Feuerwehren in Hüttenfeld.

Welche Themen gab es noch beim von Ihnen erwähnten Führungskräftetreffen?

 Es ging um das Angebot der Einsatznachsorge, also einer psychologischen Betreuung. Ein anderes Thema war die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die Feuerwehr.

Gibt es Menschen mit Migrationshintergrund in der Lampertheimer Feuerwehr?

Menschen anderer Nationalität sind sehr selten, vereinzelt in der Jugendfeuerwehr. Ich weiß nicht, warum das so ist. Wir hatten aber mal mehrere US-Amerikaner als Einsatzkräfte.

Wie viele Frauen sind in der Einsatzabteilung?

So um die 10 Prozent. Sie können familienbedingt nicht immer, unterstützen uns aber auf verschiedene Weise, beispielsweise in der Funkzentrale oder bei der Versorgung. Früher gab es sogar mal eine Frauengruppe. Es dürfen gerne mehr Frauen werden.

Nachwuchs gibt es bei den Lampertheimer Wehren noch ausreichend?

Ja, und der ist sehr gut. 2017 hat unsere Jugendfeuerwehr Mitte die Löschbezirkspreise abgeräumt, eine Gruppe aus Hofheim und Hüttenfeld hat die Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr erreicht. Auf diese Leistungen darf man stolz sein. Was wir tun und anbieten, kommt bei den Kindern und Jugendlichen gut an. Zum Glück haben wir auch genügend motivierte Betreuer.

Gehen viele junge Leute dann auch in die Einsatzabteilung?

Ja, erfreulicherweise. Der Übergang ist auch nicht schwer. Die Jugendlichen sind durch die Leistungsspangen schon für den Feuerwehr-Grundlehrgang geschult. Allein 2017 haben 13 Jugendliche den Grundlehrgang absolviert. Der Eintritt in die Einsatzabteilung fällt auch dadurch leichter, dass man sich schon kennt, beispielsweise durch das gemeinsame Essen nach der Christbaumaktion. Wir müssen natürlich ständig daran arbeiten, dass der Übergang in die Einsatzabteilung klappt.

Welche Vorteile hat es, wenn Kinder und Jugendliche bei der Feuerwehr aktiv sind?

Viele. Man wird gut in Erster Hilfe ausgebildet. Man lernt, Löschtechnik zu bedienen. Man lernt weiterhin, dass man als Einzelkämpfer nichts ist, sondern im Team etwas erreicht. Und schließlich wird man für drohende Gefahren sensibilisiert.

Waren Sie auch schon als Bub in der Feuerwehr?

Ja. Das war zwangsläufig, denn mein Opa war Feuerwehr-Kommandant, auch mein Vater diente mehrere Jahrzehnte in der Lampertheimer Wehr. Aber ich wurde nicht dazu gezwungen. Es war vielmehr als Bub interessanter, zur Feuerwehr zu gehen als Hausaufgaben zu machen. Der Dienst in der Feuerwehr macht ja auch Freude. Man kann zeigen, was man gelernt hat und anderen Menschen in Notlagen helfen.

Angesichts der kalten Tage: Kann die Feuerwehr auch jemanden retten, der im Eis eingebrochen ist?

Wir sind für alle denkbaren Lagen gerüstet. Auch für diesen Fall. Wir haben Kälteschutzanzüge, mit denen wir im kalten Wasser baden könnten.

Ist denn die Einsatzfähigkeit der Wehren jederzeit gewährleistet?

In der Regel ja. Es gibt natürlich schwache Zeiten, aber auch da kriegen wir die knappe Mindeststärke hin. An Werktagen sind wir tagsüber natürlich nicht so gut besetzt wie nachts, weil die meisten außerhalb von Lampertheim arbeiten. Glücklicherweise haben wir einige Schichtarbeiter. Und sogar Männer, die in einer Berufsfeuerwehr 24-Stunden-Schichten arbeiten, so dass sie uns an freien Tagen auch zur Verfügung stehen. Das Gesetz in Hessen verlangt, dass im Einsatzfall sechs Kräfte innerhalb von zehn Minuten vor Ort sind. Aber sechs Kräfte sind zu wenige, man braucht eine Reserve. Bei uns rückt ein Löschzug aus, das sind zwei Gruppen mit insgesamt 18 Einsatzkräften.

Wenn es keine freiwilligen Kräfte mehr gäbe, müsste die Stadt hauptamtliche Kräfte einstellen…

Auf Sylt wurden mal Menschen zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Aber das ist nicht sinnvoll, wer gezwungen wird, ist sicher nicht sehr motiviert. Bei einer Berufsfeuerwehr bräuchte man mindestens zehn bis zwölf Personen und müsste mit Freiwilligen auffüllen. Aber die Hauptamtlichen sind für die Stadt natürlich teuer.

Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung berichteten Sie, dass ein Tanklöschfahrzeug auszufallen droht. Ersatz komme erst in einigen Monaten. Dauert die Bestellung eines neuen Fahrzeugs so lange oder mangelte es an Geld?

Ein Beschaffungsvorgang dauert zwei Jahre – wenn er optimal verläuft. Denn das muss von den städtischen Gremien abgesegnet werden. Dann müssen wir einen Zuschuss beim Land beantragen. Gibt es dafür die Zusage, müssen wir das Objekt ausschreiben, ab einer bestimmten Summe sogar europaweit. Die Ausschreibung läuft über drei Monate. Die Lieferzeit für das Tanklöschfahrzeug, das wir im September 2017 bestellten, beträgt 14 bis 16 Monate. Das zu ersetzende Fahrzeug ist übrigens 28 Jahre alt und hat viel geleistet.

Wenn Sie eine Million Euro für die Feuerwehr ausgeben dürften, was würden Sie damit tun?

Eine Million ist nicht viel, das Tanklöschfahrzeug kostet 330 000 Euro, ein neues Drehleiter-Fahrzeug sogar 650 000 Euro. Wichtig ist, dass wir im Hof eine Halle bekommen, denn viele Container stehen dort mit Gerätschaften, die unter Frost oder Regen leiden könnten. Der Bau der Halle kostet 600 000 Euro. Auch dafür bekommen wir zum Glück einen Landeszuschuss, gebaut werden soll im nächsten Jahr. Das Technische Zentrum ist im Übrigen 30 Jahre alt, da wäre einiges zu verbessern und zu erneuern, beispielsweise der Funktisch, der beim Einzug ins Gebäude angeschafft wurde.

Das Interview führte Oliver Lohmann.

Text: Lampertheimer-Zeitung

Bild: Thorsten Gutschalk

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