Ein Glücksfall für die Region

Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit. Florian Bergstraße 01 meldet sich ab. Das war’s.” Nein, natürlich war es damit nicht getan. Auch wenn Wolfgang Müller bei seiner offiziellen Verabschiedung als Kreisbrandinspektor genau diese Worte an den Anfang seiner Dankesrede stellte. Auf eigenen Wunsch war der oberste Bergsträßer Feuerwehrmann am 1. Januar mit 63 Jahren aus dem offiziellen Dienst ausgeschieden und in den hochverdienten Ruhestand gegangen.

Statt sich dabei der vielen, von allen Vorrednern gerühmten und unbestritten großen Verdienste während seiner 20-jährigen Amtszeit als Kreisbrandinspektor und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes zu rühmen, dankte Müller seinen Wegbegleitern: den rund 3000 Feuerwehrfrauen und -männern im Kreis, den Hilfsorganisationen und Partnern, den Lehrgangsteilnehmern, den 22 Musik- und Spielmannszügen, den Kommunen, dem Bezirks- und Landesverband und dem Brandschutzdezernat im RP.

Nur gemeinsam habe man Herausforderungen wie Hochwasser, Waldbrände und Sturmschäden und die Koordination von Hilfskräften während des Flüchtlingsstroms bewältigen können. In seine Dankesadresse schloss Müller ebenfalls die Jugendwarte der Freiwilligen Feuerwehren und die früheren Dezernenten für Gefahrenabwehr im Kreis, Gottfried Ohl, Thomas Metz und Matthias Schimpf, ein: „Es war eine schöne Zeit. Ich habe viel gelernt.”

Dafür, dass ihn seine Familie, die ihn selbst an den Wochenenden kaum zu Gesicht bekam, stets den Rücken freigehalten hat, bedankte sich Müller bei seiner Ehefrau Ulrike, Tochter Viola und Sohn Florian. „Ich vermisse euch”, sagte er vier Wochen nach Beginn seines Ruhestandes zu seinen ehemaligen Kollegen und Mitarbeitern.

Zuvor hatte Wolfgang Müller beim Festakt in der Mensa des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums hunderte Hände geschüttelt. Die Schlange der Ehrengäste, die dem ehemaligen Kreisbrandinspektor ihre Aufwartung machten, wollte kein Ende nehmen. So begrüßte der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares Repräsentanten aus Politik und Hilfsorganisationen sowie von Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr. Dazu zählten Landrat Christian Engelhardt, Kreistagsvorsitzenden Gottfried Schneider, Staatssekretär Thomas Metz, die Landtagsabgeordneten Karin Hartmann und Birgit Heitland, die Bürgermeister Rolf Richter (Bensheim) und Felix Kusicka aus Müllers Heimatgemeinde Biblis, Stadträte, Beigeordnete und viele mehr.

Welche Hochachtung Wolfgang Müller genießt, zeigte sich nicht nur an den stehenden Ovationen, sondern auch an einer besonderen Ehrerbietung, die ihm zuteilwurde: Die Feuerwehrmusikgruppen aus dem Kreis Bergstraße verabschiedeten sich von ihrem „Kameraden, Weggefährten und Mitstreiter” mit dem Großen Zapfenstreich.

Landrat Engelhardt bezeichnete Müller und alle ehrenamtlichen Feuerwehrleute „als echte Helden des Alltags”, die eine „wichtige Aufgabe im öffentlichen Gemeinwesen mit großen Einsatz erfüllen”. Kurz ging Engelhardt auf die noch immer ungeklärte Nachfolge für Wolfgang Müller ein. Man hoffe, den vakanten hauptamtlichen Posten durch ein erneutes Auswahlverfahren alsbald besetzen zu können.

Wolfgang Müller sei ein Teamplayer und habe Beruf und Berufung, Arbeit und Hobby miteinander vereint. „Als Profi hat er die Feuerwehrarbeit von der Pike auf gelernt und seine Aufgabe mit Hingabe erfüllt”, lobte Engelhardt. Seine Ernennung zum Kreisbrandinspektor am 1. Oktober 1998 sei ein „echter Glücksfall gewesen”, denn im Lauf seiner Amtszeit habe sich der gebürtige Bibliser „zu einer Marke entwickelt und dem Kreis Ehre gemacht”. „Auf Sie konnten wir uns jederzeit verlassen”, so Engelhardt weiter.

Als „Feuerwehrlehrer par excellence” habe sich Müller mit Herzblut der Jugendarbeit und Nachwuchsförderung gewidmet und sei stets hervorragend vernetzt gewesen. „In 20 bewegten Jahren” habe er sich stets für den Erhalt der Wehren in den kleinen Ortsteilen stark gemacht und sei Unterstützer, Berater und Freund gewesen. Kameradschaft habe für ihn eine große Rolle gespielt.

Der Landrat bescheinigte Wolfgang Müller, eine „echte Führungspersönlichkeit” zu sein. Er habe durch seine Zuverlässigkeit, seine Verbindlichkeit und sein Durchsetzungsvermögen beeindruckt: „Sie haben sich mit ganzer Kraft dem Gemeinwohl zur Verfügung gestellt und große Spuren hinterlassen.” An Müller überreichte Engelhardt die offizielle Entlassungsurkunde des Kreises und ein Kunstwerk von Branko Stahl.

Für den Kreisfeuerwehrverband, von dem sich Müller im Frühsommer 2019 als Vorsitzender verabschieden wird, sprach Sven Falter. Er würdigte die Verdienste von Wolfgang Müller, dessen Ausbildungsarbeit, die Aufstellung einer starken, gut funktionierenden Gefahrenabwehr im Kreis, die Organisation des ersten Brandschutzmobils in Hessen und die Umwidmung der ehemaligen Forstschule in Hüttenfeld zum Schulungsgebäude und zur Versammlungsstätte für die Feuerwehr. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Musikcorps der Freiwilligen Feuerwehr Einhausen.

Ralf Ackermann, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen, sprach von einem „Stück Feuerwehrgeschichte”, die Müller maßgeblich mitgeschrieben habe. Die rasante Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehren habe dieser richtig eingeschätzt, die Wehren somit zukunftsfähig gemacht und sich „mit aller Kraft für das ortsverbundene Feuerwehrwesen eingesetzt”. Sein „ruhiges und klares Wort” sei von allen hochgeschätzt gewesen, so Ackermann, der auch nicht vergaß die „aufwändige Verwaltungstätigkeit” eines Kreisbrandinspektors zu erwähnen.

Arno Gutsche, Kreisvorsitzender des DRK Bergstraße, nannte Müller einen Partner auf Augenhöhe, der stets mit den Hilfsorganisationen Hand in Hand gearbeitet habe. Gutsche nannte Beispiele wie die Waldbrandkatastrophe im Ried 1976, den nervenaufreibenden Einsatz am Haus eines Waffennarrs in Viernheim, einen Scheunenbrand im Seehof, einen Großbrand in Fürth und die Geiselnahme im „Kinopolis” im Jahr 2016. Ohne technische Hilfeleistung der Feuerwehren seien viele weitere Einsätze wie beim Hochwasser in Ostdeutschland oder einem ICE-Unfall in Biblis mit Evakuierung der Fahrgäste nicht möglich gewesen. „Ein Anruf bei Wolfgang Müller und es hat funktioniert”, lobte Gutsche den „kurzen Dienstweg”. Die Zusammenarbeit sei geprägt gewesen von Vertrauen, Respekt, Kameradschaft und der Solidarität für alle Hilfesuchenden. Mit seinem Ratschlag an den frisch gebackenen Rentner, sich ein Motorrad zu kaufen, mitsamt Ehefrau durch Odenwald und Pfalz zu düsen und mit den Enkeln „all das zu machen, was die Eltern immer verboten haben”, sorgte der DRK-Vorsitzende für Heiterkeit.

Staatssekretär Thomas Metz, früher im Kreis zuständig für das Brandschutzwesen, sprach Müller eine „große Portion Bodenständigkeit, hohe fachliche Kompetenz, aber auch Diplomatie und die Gabe, Entscheidungen zu treffen und bei Bedarf ein klares Wort zu sprechen” zu. Dabei habe er immer große Gelassenheit an den Tag gelegt.

Brandschutzdirektor Klaus Hahn vom Hessischen Innenministerium überbrachte die Grüße von Innenminister Peter Beuth. Die Ära Müller sei geprägt gewesen von einer hohen Qualität des Brandschutzes und deutlich begrenzten Mitteln für die Feuerwehren. Mit Verlässlichkeit, Gradlinigkeit, Zielstrebigkeit und der Fähigkeit, auf Menschen zugehen zu können, habe der Ex-Kreisbrandinspektor seine Aufgabe zum Wohl des Gemeinwesens gemeistert.

Hans-Peter Falter von der Notfallseelsorge Bergstraße dankte Müller als einem Geburtshelfer der Notfallseelsorge im Kreis für das „gute zwischenmenschliche Klima” und seine stetige Präsenz. Er habe ihn als offenen Partner, menschlich sympathisch und verbindlich in der Sache kennengelernt, der es verstanden habe, junge Menschen zu motivieren und zu begeistern. „Er war als Ausbilder ein toller Chef mit Loyalität und Augenmaß.”

Text: © Bergsträßer Anzeiger, Montag, 28.01.2019

Bild: Feuerwehr Hofheim

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