114-Zugunfall

113-zugunfall_1_20130615_2015685740ICE prallt gegen umgestürzten Baum

BIBLIS/GROSS-ROHRHEIM. Ein ICE mit 500 Passagieren ist am Donnerstag gegen 21 Uhr bei Biblis auf einen umgestürzten Baum geprallt. Laut Bahn ist niemand verletzt worden. Die Reisenden mussten allerdings stundenlang in dem Zug ausharren. Kurz vor 4 Uhr konnten die letzten Fahrgäste in. Die Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim blieb aufgrund des Oberleitungsschadens bis gestern Mittag gesperrt. Ab 13.20 Uhr gab die Bahn die Strecke zumindest eingleisig frei. Spätestens am Montag zum Berufsverkehr will die Bahn wieder beide Gleise nutzen.

Ein heftiger Sturm fegte am Donnerstagabend durchs Ried. “Das Gewitter ging Richtung Mannheim runter”, berichtete der Bibliser Feuerwehrsprecher Ralf Becker. Die Windböen warfen an der ICE-Strecke zwischen Biblis und Groß-Rohrheim einen Baum um. “Der war nicht besonders groß und hatte höchstens einen Durchmesser von 25 Zentimetern”, so Becker. Ein aus Richtung Groß-Rohrheim kommender ICE krachte gegen den Baum. Oberleitung und Zug wurden dadurch stark beschädigt.

Die alarmierten Feuerwehren aus Biblis und Groß-Rohrheim eilten kurz nach 21 Uhr zur Unfallstelle. Der Zug sei rund einen Kilometer vor der Brücke über die L 3261 stehengeblieben, so Becker. “Die Unfallstelle war schwer zugänglich, eine direkte Anfahrt war überhaupt nicht möglich.”

Zu Fuß über die Felder

Die Einsatzkräfte fuhren zunächst ein Stück auf der ehemaligen B 44. Dann ging’s zu Fuß weiter über die vom Regen aufgeweichten Felder. Ein Feuerwehrmann, der auch Mitarbeiter des Gemeindebauhofs ist, holte von seinem Arbeitsplatz einen Traktor.

“Er brachte die gesamten Gerätschaften mit dem Fahrzeug an die Unfallstelle”, sagte Becker. Darunter waren Stative und Lampen, um die Unglücksstelle auszuleuchten. Aber auch Leitern transportierten die Feuerwehrleute zum Zug, um an die Türen des ICE zu gelangen.

“Die Oberleitung war abgerissen und lag zum Teil auf dem Zug und auf dem Gleisbett”, sagte Becker. Die Einsatzkräfte hätten den Zug geerdet und dafür ein Kupferkabel über die Oberleitung zu den Gleisen geführt.

Dies sei nötig gewesen, obwohl der Strom schon abgeschaltet war, erklärte ein Sprecher der Bahn. “Wenn die Oberleitung beschädigt wird, gibt es einen Kurzschluss, und die Sicherung fällt raus. Damit ist die Leitung stromlos.” Allerdings bestehe die Möglichkeit, dass noch Reststrom vorhanden ist. Da die Spannung der Oberleitung normalerweise 15 000 Volt misst, könnten selbst Restmengen gefährlich sein.

“Deshalb ist der sicherste Ort für die Passagiere immer das Innere des Zugs”, stellte der Bahnsprecher fest. Und da blieben die Passagiere auch. Ein Fahrgastbetreuungsteam sei nach Biblis geschickt worden, um sich zusammen mit dem Bordpersonal um die Reisenden zu kümmern. In so einem Fall würden zum Beispiel Getränke verteilt.

Währenddessen sägten die Groß-Rohrheimer Feuerwehrleute den umgestürzten Baum auseinander. Außerdem brachten die Rettungskräfte zwei schwangere Frauen aus dem Zug zum Krankenwagen. Dabei mussten die Schwangeren mit Hilfe der Retter den Weg über die Felder nehmen, um zum Fahrzeug zu gelangen.

Busse nach Mannheim

Die Lampertheimer Feuerwehr brachte für die Bahn geeignete Geräte nach Biblis. Darunter Trolleys, die auf Gleisen fahren können. Damit konnten die Helfer von Biblis aus die Unfallstelle erreichen, um weiteres Material dorthin zu transportieren. Dies wurde auch für die Evakuierung des Zuges benötigt, die kurz nach 1 Uhr am Freitagmorgen begann.

Laut Bahnsprecher fuhren mit Diesel betriebene Nahverkehrszüge zum havarierten ICE. Über Stege stiegen die Reisenden um und fuhren zum Bibliser Bahnhof. Zunächst seien die Personen mit Reiseziel Mannheim abgeholt worden. Für sie standen Busse bereit. Die restlichen Passagiere verließen gegen 2 Uhr den Zug. Für sie ging es um 3.41 Uhr mit einem Ersatz-ICE vom Bibliser Bahnhof aus in Richtung Basel weiter.

Für die teilweise siebenstündige Verspätung will sich die Bahn bei den Passagieren entschuldigen. “Die Fahrgäste bekommen den vollen Fahrpreis erstattet und zusätzlich einen Reisegutschein im Wert von 150 Euro”, teilte der Bahnsprecher gestern mit.

Der entstandene Schaden sei bisher noch nicht abzuschätzen. Bevor der Fahrtenschreiber nicht ausgewertet sei, gebe es keine Angaben über die Geschwindigkeit des Zuges. Der ICE sei inzwischen abgeschleppt und zur Reparatur gebracht worden. “Den brauchen wir noch”, meint der Bahnsprecher. Und ihm ist die Erleichterung anzuhören, dass der Unfall am Donnerstagabend glimpflich abgelaufen ist und er über keine Verletzten berichten muss.

© Südhessen Morgen, Samstag, 15.06.2013

Bilder: Feuerwehr Lampertheim

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Video HR-Online

Einsatznummer: 114
Datum 13.06.2013
Uhrzeit: 21:39 Uhr
Einsatzstelle: Biblis > Richtung Groß-Rohrheim
Einsatzdauer: 6:51 h
Stichwort: H2 – Zugunfall
Ausgerückte Fahrzeuge: Kdow, MTF 2, MTF 3, HLF 16/20, RW 1, WLF 1
Weitere Anwesende: Feuerwehr Biblis, Feuerwehr Groß-Rohrheim,. Notfallmanager DB, Rettungsdienst

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