Wachwechsel in Hofheim

In der letzten Zeit wurde viel über die Indienststellung zweier neuer Fahrzeuge in Hofheim geschrieben. Durch die feierliche Fahrzeugübergabe mit Segnung durch beide Hofheimer Pfarrer sowie durch den Tag der offenen Tür und auch durch die Berichte dazu konnten die Hofheimer Bürger (und auch die Bürger aus benachbarten Städten und Gemeinden) oft die neuen Fahrzeuge und auch ihre Vorgänger sehen. Aber was bedeutet eigentlich so ein Generationenwechsel für die Feuerwehr selbst? Hierzu will dieser Bericht einige Hintergründe erläutern.

Hier nochmal die grundliegenden Informationen: Am 17.05.14 wurden zwei neue Fahrzeuge in Hofheim in Dienst gestellt; es handelt sich um ein Staffellöschfahrzeug StLF 20/25 und um einen Gerätewagen Hochwasser GW-L1 HW. Diese Fahrzeuge ersetzen zwei der bisherigen Hofheimer Fahrzeuge, nämlich das Löschgruppenfahrzeug (LF) 16 TS und den Gerätewagen (GW) Kran. Um nun den nicht-feuerwehrkundigen Lesern die Fahrzeuge und ihre Unterschiede zu erklären, möchte ich die jeweiligen Fahrzeuge kurz erklären:

Die Löschgruppenfahrzeuge sind das Rückgrat der deutschen Feuerwehren. Diese Fahrzeuge bieten einer Gruppe (insgesamt 9 Feuerwehrleuten) und deren Gerätschaften Platz und kommen in der Regel bei allen Einsätzen zum Zug. Mit ihnen wird der Löschangriff oder die technische Hilfeleistung eingeleitet und sie werden bei Bedarf von Sonderfahrzeugen (wie beispielsweise Drehleiter- oder Tanklöschfahrzeuge oder Rüst- und Gerätewagen) ergänzt.

Das LF 16-TS (LF ist die Abkürzung für Löschgruppenfahrzeug, 16 bezeichnet die Förderleistung der Pumpe (1.600 l/min), TS steht für eine weitere mitgeführte Tragkraftspritze im Heck des Fahrzeugs) ist ein Fahrzeug, das für die Belange des Katastrophenschutzes speziell als Fahrzeug zur Brandbekämpfung und für die Wasserförderung über lange Wegstrecken ausgeführt wurde. Hierzu verfügt es über eine umfangreiche Ausrüstung zur Brandbekämpfung, insbesondere über eine große Schlauchmenge (600m B-Schlauch zur Wasserförderung, 240m C-Schlauch als Angriffsleitung) und zwei Pumpen. Die namensgebende „große“ Pumpe mit 1.600 l/min Wasserförderung ist als Vorbaupumpe, also vor dem Motor angebaut, die Tragkraftspritze (eine Pumpe mit eigenem Antriebsmotor, die durch 4 Feuerwehrleute getragen werden kann) ist im Heck-Geräteraum eingeschoben. Durch die im Vergleich zu anderen Fahrzeugen hohe Anzahl an Schläuchen kann dieser Fahrzeugtyp unter anderem dafür genutzt werden, um Wasser auch aus größeren Entfernungen zum Einsatzort zu bringen. Allerdings besitzt das LF 16-TS dafür nur eine kleine Ausrüstung an Werkzeugen und Geräten zur technischen Hilfeleistung (bspw. bei Unfällen) und keinen eingebauten Wassertank.

Unser LF 16 TS stammt aus dem Jahre 1984 und kam im Jahr 2000 nach Hofheim. Bis zum Jahre 2010 gehörte dieses Fahrzeug der Bundesrepublik Deutschland, danach wurde es nach Erreichen der Altersgrenze für diese Fahrzeuge der Stadt Lampertheim übergeben.

In Hofheim ersetzte dieses Fahrzeug ein gleichaltriges LF 8, das ab 2000 in Hüttenfeld stationiert war und bis heute im Dienst ist.

Ersetzt wurde dieses Fahrzeug nun durch ein Staffellöschfahrzeug (StLF) 20/25. Die Staffel-Löschfahrzeuge haben eine kleinere Besatzung als die Löschgruppenfahrzeuge (Staffel-LF 6 Personen, LF 9 Personen) und sind primär als Brandbekämpfungsfahrzeuge mit großem Löschwasservorrat ausgelegt. Unser StLF (StLF ist die Abkürzung für Staffellöschfahrzeug, 20 bezeichnet die Förderleistung von 2.000 l/min, 25 bezeichnet den Löschwasservorrat von 2.500 l) dient mit seinen 2.500 l Wasser neben seiner Hauptfunktion als Löschfahrzeug auch noch dem Transport von Wasser bei eingeschränkten oder nicht vorhandenen Hydrantennetz und der Bekämpfung von Vegetationsbränden. Diese Eigenschaften sind im Hofheimer Einsatzgebiet beispielsweise für Einsätze im Bereich der Maulbeeraue, bei Aussiedlerhöfen oder aber auch bei Verkehrsunfällen außerhalb der Ortsbebauung (und damit außerhalb eines dichten Hydrantennetzes) wichtig.

Die Beladung des Staffellöschfahrzeugs orientiert sich weitgehend an der Brandbekämpfung, allerdings wurden auch Teile der Hilfeleistungsausrüstung des Vorgängers mit für das neue Fahrzeug übernommen. Weiterhin wurde das Fahrzeug so geplant und ausgeführt, dass wichtige Einsatzmittel wie der hydraulische Rettungssatz (Rettungsschere, Spreizer, Rettungszylinder und Hydraulikaggregat) des LF 16/16 bei einem Werkstattaufenthalt auf das Staffellöschfahrzeug umgeladen werden können.

Die Gerätewagen der Feuerwehren sind Sonderfahrzeuge, die wie bereits oben erwähnt zur Ergänzung der Löschgruppenfahrzeuge dienen. Gerätewagen dienen bei der Feuerwehr dazu, Ausrüstung in den Einsatz zu bringen, die aus verschiedenen Gründen nicht bei den erstausrückenden Löschfahrzeugen an Bord ist; sei es, weil sie seltener gebraucht wird und daher nicht zur Standardausrüstung zählt, sei es, weil sie vom Platzbedarf her zu umfangreich für die Geräteräume und das beschränkte Platzangebot dieser Fahrzeuge ist.

Der Gerätewagen Kran, der ebenfalls wie das LF 16 TS außer Dienst ging, war eine Hofheimer Eigenentwicklung. Er wurde 1991 in Dienst gestellt, um die im vorigen Absatz erwähnten Aufgaben zu erfüllen, nachdem sein inoffizieller Vorgänger, ein zum Gerätewagen umgebautes ehemaliges Löschgruppenfahrzeug 8 sich langsam als zu klein erwies.

Bei diesem Fahrzeug wurden bereits vor über 20 Jahren Lösungen entwickelt, die sich erst später im Portfolio der großen Aufbauhersteller finden ließen: Ein Beispiel hierfür ist die Ladefläche, die in einen festen Gerätekoffer mit Rolläden und eine Ladefläche mit Plane und Spriegel unterteilt ist. Hier wurde bereits ein Konzept angedacht, welches eine feste Beladung des Fahrzeugs, die im Kofferaufbau vorhanden ist, mit einer flexiblen Beladung auf der beplanten Ladefläche kombiniert.

Im Geräteaufbau befanden sich daher Dinge wie ein ausfahrbarer Lichtmast, ein Stromerzeuger, eine Motorkettensäge mit dazugehöriger Schutzkleidung und ein Be- und Entlüftungsgerät, während auch der Ladefläche beispielsweise Rüstholz (zum Abstützen und Unterbauen), Ölbindemittel und andere großvolumige Ausrüstungsteile untergebracht waren. Diese Ausrüstung war in Gitterboxen verladen, so dass sie mittels des Ladekrans am Heck des Gerätewagens auf- und abgeladen werden konnte. Durch die Verwendung von Gitterboxen konnte auch die komplette Ladefläche in kurzer Zeit freigeräumt werden, um das Fahrzeug auch als Logistikkomponente nutzen zu können.

Dieses Fahrzeug wurde nun ebenfalls außer Dienst gestellt, nachdem es sich über 20 Jahre in seiner angedachten Funktion als universell einsetzbarer und flexibel ausrüstbarer Gerätewagen bewähren konnte. Als Ersatz dient nun der neue Gerätewagen (GW-L1) Hochwasser. Dieses Fahrzeug entstammt einer Landesbeschaffungsaktion des Landes Hessen, welches für alle 26 Landkreise und kreisfreien Städte im Land Hessen je eines dieser Fahrzeuge beschafft hat.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um ein geländefähiges Fahrzeug mit Allradantrieb, dass über eine Ladefläche mit Plane und Spriegel sowie eine Ladebordwand verfügt. Haupteinsatzzweck laut der Bezeichnung des Fahrzeugs soll der Hochwassereinsatz sein. Dazu ist dieses Fahrzeug mit insgesamt 9 Rollcontainern beladen, die folgende Ausrüstung beinhalten:

– Je 2 Rollcontainer Schmutzwasserpumpen: Hier handelt es sich um Pumpen, die bis zu 1.600 l Wasser pro Minute fördern können. Im Gegensatz zu den Feuerlösch-Kreiselpumpen, die auf unseren Löschfahrzeugen vorhanden sind, handelt es sich hier um robuste Tauchpumpen, die Fremdkörper bis zu 80mm im geförderten Wasser vertragen können. Das heißt, dass selbst ein Tennisball durch diese Pumpen durchgehen kann, ohne dass die Pumpe an sich beschädigt wird. Weiterhin sind auf diesen Rollwägen auch entsprechende Saugschläuche und weiteres Zubehörmaterial für die Pumpen vorhanden.

– Je 2 Rollcontainer Stromerzeuger: Passend zu den Schmutzwasserpumpen sind auf diesen Rollwagen Stromerzeuger sowie Beleuchtungsmaterial und Anschlussleitungen vorhanden.

– Je 2 Rollcontainer Werkzeug: Hier ist diverses Werkzeug, welches für den Einsatz der Schmutzwasserpumpen notwendig werden könnte, mit dabei. Auch eine kleinere Tauchpumpe, ein Trennschleifer sowie eine Motorkettensäge mit Schutzkleidung sind auf diesem Rollwagen vorhanden.

– Je 2 Rollcontainer Schlauchmaterial: Insgesamt 1,8 km Schlauchleitung zur Wasserförderung oder zum Wegleiten von ausgepumptem Wasser sind auf den beiden Rollwägen vorhanden.

– 1 Rollwagen Zubehör: Hier sind Wathosen, ein Brecheisen, Bolzenschneider, Handwerkzeug und ein Verbandskasten untergebracht. Auch Material zur Wasserrettung wie Rettungskragen und Rettungsleinen werden hier mitgeführt. Weiterhin ist vorgesehen, dass hier Zusatzbeladung nach den Belangen der örtlichen Feuerwehr untergebracht werden kann (vorstellbar wäre hier bspw. Ersatzkleidung, Decken oder ähnliches).

Neben der Beladung mit den oben genannten Rollwägen ist darüber hinaus in den Einsatzgrundsätzen dieser Fahrzeuge auch vorgesehen, dass sie im Hochwasserfall auch zum Sandsacktransport genutzt werden. Dazu wird die komplette Beladung abgeladen, so dass eine Ladefläche mit einer Kapazität von insgesamt 6t zur Verfügung steht.

Außer dem Hochwassereinsatz sollen diese Fahrzeuge natürlich auch der örtlichen Gefahrenabwehr, also dem Einsatz im örtlichen Bereich, dienen. Da die Beladung durch die Rollwägen flexibel gestaltet werden kann, ist geplant, einen Teil der vorhandenen Ausrüstung des außer Dienst gestellten LF 16 TS auf Rollwägen zu verladen, um die Flexibilität des Laderaums ausnutzen zu können.

 

Was bedeutet nun für uns als Feuerwehr die Indienststellung gleich zwei neuer Fahrzeuge? Zuerst einmal heißt es für uns alle üben, üben, üben. Wir müssen nicht nur uns an neue Fahrzeuge mit einer neuen Beladungsordnung gewöhnen (was bei 45 aktiven Einsatzkräften durchaus ein paar Übungsabende lange dauern kann, bis jeder die neuen Fahrzeuge gesehen und mit ihnen geübt hat), sondern auch die Einsatztaktik wird umgestellt. Bislang war es so, dass immer das LF 16/12 zuerst zum Einsatz kam und das LF 16 TS als zweites Fahrzeug nachzog. Durch die Neubeschaffung des Staffellöschfahrzeuges ändert sich auch die Ausrückeordnung (also die Reihenfolge, welches Fahrzeug als Nummer 1 und welches als Nummer 2 ausrückt): Zukünftig wird bei Brandeinsätzen zuerst das Staffellöschfahrzeug ausrücken, während das LF 16/12 das erste Fahrzeug bei Unfällen und sonstigen Hilfeleistungen sein wird.

Außerdem werden wir durch die Stationierung des GW-Hochwasser auch dazu verpflichtet, dieses Fahrzeug nicht nur im eigenen Beritt, sondern auch hessen- oder gar bundesweit zum Einsatz zu bringen. Auch das verlangt einiges an Planung, um die Einsetzbarkeit des Fahrzeugs in diesem Rahmen gewährleisten zu können.

Aber natürlich bedeutet die Indienststellung zweier neuer Fahrzeuge und der Abschied von den Alten auch etwas Emotionales: Es sind nüchtern betrachtet vielleicht „nur“ leblose Gegenstände, aber man verbindet als Feuerwehrmann Erinnerungen mit ihnen. Einsatzerlebnisse, Erinnerungen an Lehrgänge oder Veranstaltungen, Abschieds“schmerz“ bei ihrer Außerdienststellung, aber auch Stolz auf die neuen Fahrzeuge – ebenso wie den Stolz darauf, mit ihnen für die Sicherheit der Hofheimer Bürger sorgen zu können.

Text: Andreas Schneider Bilder: Dirk Wagner / Andreas Schneider

Feuerwehr Lampertheim © 2013