Abstandsregeln auch im Löschfahrzeug

FTG_BG_6D_20190721-9971Donnerstagabend ist Feuerwehr. Diese Tatsache galt bis März für Stadtbrandinspektor Klaus Reiber wie für viele andere aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Lampertheim ganz selbstverständlich. Dann kam Corona und auch für die Brandschützer war nichts mehr wie zuvor. Auf einmal saßen sie donnerstagabends zu Hause, allenfalls trafen sie sich zu Videokonferenzen. An Üben und Arbeiten dicht beieinander war zu Zeiten des Lockdowns nicht zu denken. Schließlich ist die Feuerwehr systemrelevant und ihre Einsatzfähigkeit muss erhalten bleiben. Deswegen waren sie im März auch die Ersten, bei denen Termine wie beispielsweise Versammlungen abgesagt wurden, um Infektionen zu verhindern. Das ist inzwischen wieder anders. Jetzt wird wieder geübt und gemeinsam gearbeitet – aber alles nach Möglichkeit unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.

 

„Wir haben die Besatzung in den Einsatzfahrzeugen reduziert, um Abstand halten zu können“, berichtet Klaus Reiber im Gespräch mit dieser Redaktion. Werden mehr Kräfte am Einsatzort gebraucht, kommen sie mit anderen Fahrzeugen hinterher. Die Einsatzkräfte wurden in Schichten eingeteilt, Übungen und Treffen finden nur in kleinen Gruppen statt, die sich möglichst nicht begegnen oder mischen sollen. Das alles gilt zumindest außerhalb der akuten Einsätze. Wenn Alarm geschlagen wird, ist die Trennung nicht immer aufrecht zu erhalten. Schließlich müssen die Kräfte auch verfügbar sein. Ziel ist aber nach wie vor, dass nicht die gesamte Mannschaft ausfällt, wenn ein Corona-Fall auftreten sollte.

 

Beim Rundgang durch die Feuerwache in der Lampertheimer Florianstraße erklärt Reiber, was sich mit Corona verändert hat. So ist der Zutritt nur Einsatzkräften gestattet. Wer kommt, muss sich die Hände desinfizieren und seinen Namen in eine Liste eintragen, damit nachvollzogen werden kann, wer mit wem Kontakt hatte. In den Aufenthaltsräumen sind die Sitzplätze reduziert und auf Abstand gebracht worden. „Unseren großen Saal brauchen wir im Moment überhaupt nicht, weil keine Lehrgänge oder ähnliches stattfinden“, so Reiber.

Auf einem Tisch im Eingangsbereich steht ein großer Karton voll mit selbst genähten Alltagsmasken. Ein Mund- und Nasenschutz findet sich zudem an jedem Kleiderhaken. Im Lager sind Behälter mit Desinfektionsmittel gestapelt – nicht nur für den eigenen Bedarf. Die Feuerwehr hat auch die Lagerung und Verteilung der leicht entzündlichen Stoffe für die Stadt Lampertheim übernommen.

Die Feuerwehr lässt Vorsicht walten und nimmt die Lage nach wie vor ernst, das macht der Stadtbrandinspektor deutlich. Doch er sagt auch: Die Gefahr mit ansteckenden Erregern in Kontakt zu kommen, ist für Feuerwehrleute nichts Neues. „Auch vor Corona gab es schon Einsätze, bei denen man mit kranken, infektiösen Personen Kontakt hatte“, so Reiber. Aber die Tatsache, dass es in Lampertheim den ersten Corona-Fall im Kreis Bergstraße gegeben hatte, habe doch allen verdeutlicht, wie wichtig es ist, kein Risiko einzugehen. „Ein guter Feuerwehrmann weiß was es bedeutet, wenn eine mögliche Kontamination nicht ernst genommen und verschleppt wird“, sagt Reiber. „In der Einsatzabteilung sind wir 90 Frauen und Männer, einen Ausfall von maximal 15 könnten wir verkraften“, verdeutlicht Reiber die Lage.

Erste Idee für Jugendarbeit

Hinsichtlich der Zahl der Einsätze hat sich der Lockdown übrigens nicht bemerkbar gemacht. „Wir hatten im ersten Halbjahr mehr als 160 Einsätze, das ist im Durchschnitt“, sagt der Stadtbrandinspektor. Deswegen ist es auch wichtig, dass Übungen und Training weiterlaufen – zumindest für die aktiven Feuerwehrleute. Im Bereich Kinder- und Jugendfeuerwehr konnte in den vergangenen Wochen und Monaten keine Ausbildung stattfinden, zum Bedauern der Verantwortlichen. Doch inzwischen gebe es erste Ideen, wie die Jugendarbeit wieder aufgenommen werden kann. Denn eins ist klar: Den Großen wie den Kleinen fehlt die Gemeinschaft und das Gesellige. Auch dass der Tag der offenen Tür am 1. Mai nicht stattfinden konnte, bedauert Reiber. Er ist doch immer ein Höhepunkt im Terminkalender der Wehr, wenn auch mit viel Arbeit verbunden.

Jetzt hofft Reiber, dass vielleicht die Einweihung der neuen Fahrzeughalle, die gerade gebaut wird und im Oktober fertig sein soll, gefeiert werden kann. In welchem Rahmen, darüber wird das weitere Infektionsgeschehen mitentscheiden. Und bis dahin wird es wohl doch noch die ein oder andere Videokonferenz von zu Hause aus geben – auch donnerstagsabends.

Bilder: Feuerwehr Lampertheim

Text: morgenweb

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