003 – Scheunenbrand

Eine Einsatzserie hält die Bibliser Feuerwehren, womöglich aber auch die Polizei, derzeit mächtig auf Trab: Erst am späten Donnerstagabend waren die Wehren zu einem Gebäudebrand in ein Mehrfamilienhaus in der Alten Schulstraße gerufen worden. Zwei Menschen wurden dabei leicht verletzt. Am frühen Sonntagmorgen nun der nächste Großeinsatz: Mit den Schlagworten „Biblis-Nordheim; NATO-Straße; Feuer groß; brennt Scheune“, wurden die Brandschützer um 5.12 Uhr von der Leitstelle alarmiert. Unmittelbar zuvor habe ein Verkehrsteilnehmer der Leitstelle der Polizei eine brennende Scheune an der Nato-Straße in der Nähe des Rheins gemeldet, heißt es aus dem Polizeipräsidium Südhessen. Als die Wehren kurz darauf am Einsatzort eintrafen, befand sich die 1500 Quadratmeter umfassende, an den Seiten offene Halle bereits im Vollbrand. „Wir konnten die Einsatzstelle deshalb auch auf Sicht anfahren“, berichtet Gemeindebrandinspektor Ingo Ess. Als natürlicher Brandbeschleuniger dürften wohl die rund 2000 Strohballen gedient haben, die nach ersten Erkenntnissen in der Scheune eingelagert waren. Auch landwirtschaftliche Geräte befanden sich dort. Auf dem Dach war laut Polizeibericht zudem eine Photovoltaikanlage installiert gewesen. In der Summe führte dies letztlich zu einem immens hohen Sachschaden, den die Feuerwehr auf 600.000 bis 700.000 Euro schätzt.

Gleichwohl konnten die rund 100 Feuerwehrleute aus Lampertheim, Biblis und Bürstadt mitsamt den Ortsteilfeuerwehren – vor Ort waren zudem Kräfte der THW-Ortsgruppen Lampertheim und Bensheim – am Sonntagmorgen noch weitaus Schlimmeres verhindern. Kaum vorstellbar, was passiert wäre, wären die Flammen auf ein angrenzendes Silo einer Biogasanlage oder den ebenfalls angrenzenden Stall mit rund 200 Rindern übergegriffen. Überhaupt gilt: Menschen oder Tiere wurden nicht verletzt. Die Biogasanlage sei jedoch „voll mit Methangas“ gewesen, berichtet Gemeindebrandinspektor Ess im Gespräch mit dieser Zeitung. Zupass sei den Einsatzkräften freilich gekommen, dass sie die Halle und das weitläufige Gelände an der Nato-Straße bereits von zahlreichen Übungen gekannt hätten. Auch deshalb habe man sich in Rücksprache mit den Besitzern dazu entschieden, die Halle mitsamt den Strohballen kontrolliert abbrennen zu lassen und gleichzeitig Gasanlage und Stall mithilfe einer sogenannten „Riegelstellung“ zu sichern. Schadensbegrenzung lautete das Schlagwort. Auch am Sonntagvormittag war noch eine Minimalbesetzung der Feuerwehr vor Ort, um das weiter lodernde Feuer im Blick zu haben. Von der einstigen Halle war schon zu diesem Zeitpunkt nur noch ein riesiger qualmender Ascheberg übrig. Sichtlich schockiert steht derweil Landwirt Sebastian Glaser vor den Trümmern – und den verkohlten Resten seiner Arbeit. Auch er habe umgehend die Einsatzkräfte alarmiert, nachdem er von dem Brand auf seinem Grundstück erfahren habe, sagt er. Zur Information: Die Familie wohnt selbst nicht auf dem Gelände.

Die Halle habe er weitgehend in Eigenregie errichtet, so Glaser, das abgefackelte Heu sei „von bester Qualität“ gewesen. Die gesamte Ernte des vergangenen Jahres wurde nun jedoch ein Opfer der Flammen. Verloren ging dadurch nicht nur das Futter für die eigenen 200 Rinder, sondern auch für weitere Tiere in der näheren Umgebung. Zum ohnehin schon hohen Sachschaden dürfte nun also noch ein Verdienstausfall von bislang unbekannter Höhe hinzukommen, vermutet Glaser. Entsprechend groß sind dann auch die Wut und das Unverständnis des Landwirts. Denn er ist sich sicher: „Ich gehe von Brandstiftung aus.“ Vonseiten des Polizeipräsidiums Südhessen gab es hierzu am Sonntag noch keine näheren Angaben. Doch auch nach Einschätzung von Gemeindebrandinspektor Ingo Ess deutet derzeit vieles auf eine Straftat hin. „Ich vermute stark, dass es nicht von alleine gebrant hat“, sagt er. Denn in der kalten Jahreszeit sei es „eher untypisch“, dass dermaßen viele Strohballen „so schnell und in diesem Ausmaß“ in Flammen aufgehen. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnte sich der sonntägliche Großbrand in Nordheim womöglich in eine weitere Serie einreihen: Immer wieder brennen in Lampertheim, Bürstadt oder Biblis Strohballen. Nach Informationen dieser Zeitung laufen hierzu bereits die Ermittlungen. In Biblis häuften sich zuletzt zudem die Brände in landwirtschaftlich genutzten Gebäuden. Kurz vor Weihnachten verendeten im Ortsteil Wattenheim bei einem Feuer 50 Hühner, im April des vergangenen Jahres entstand bei einem Brand in Nordheim ein Sachschaden in Höhe von knapp einer Million Euro – hier starben mehrere Hundert Hühner.

Text: Wormser Zeitung vom 30.01.2022

Einsatznummer:003
Datum30.01.2022
Uhrzeit:05:44 Uhr
Einsatzstelle:Nordheim, NATO-Strasse
Einsatzdauer:4:00 h
Stichwort:F2 – Scheunenbrand
Ausgerückte Fahrzeuge:Kdow; StLF 20/25, GW-L1 HW; MTF 1
Weitere Anwesende:Feuerwehren Gemeinde Biblis, Feuerwehr Lampertheim, Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehren der Stadt Bürstadt, DRK OV Biblis, Bürstadt, Lampertheim, THW Lampertheim, THW Bensheim, KBM, Bürgermeister, Landrat

Bilder: morgenweb vom 30.01.2022 / Feuerwehr Hofheim

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